Von Lachen und Weinen:
Bericht von Mila Brill (JG 11, Redakteurin der Schülerzeitung "FORUM")
Man hört das Knirschen von Schritten auf Kies. Im Blickfeld meine Füße und die meiner israelischen Austauschpartnerin und Freundin. Im Ohr noch immer das Lied „Eli Eli“, zu deutsch „Mein Gott, Mein Gott“. Sie hat es gesungen, auf der Gedenkfeier, und ich und unsere beiden Gruppen, deutsch und israelisch, durften zuhören. Es war nur einer von vielen Programmpunkten an diesem bewegenden Nachmittag im KZ Buchenwald, dort, wo unsere Vorfahren einst die Vorfahren unserer israelischen Freunde ermordeten. Dieses eine Lied hat mich am meisten beeindruckt, doch auch die verschiedenen vorgetragenen Texte, beispielsweise über das Lachen von Kindern oder die persönlichen Gedanken einer Lehrerin, waren sehr berührend. Viele weinten, alle waren ergriffen von der Energie, die in dem Raum enstand und von der Verbundenheit, die plötzlich zwischen uns allen bestand. Einige versuchten, ihre Gefühle in Worte zu fassen, beschrieben die Atmosphäre als paralysierend und erklärten ihre hoffnungsvolle Traurigkeit, betonten die Richtigkeit und Wichtigkeit unseres Austauschs.
Auf dem Rückweg zum Bus sah ich ein Mädchen lachen, es erklärte mir fast beschämt, dass das ihre Art sei, mit Trauer umzugehen und ich sagte ihr, dass meiner Meinung nach an ihrem Lachen nichts falsch war. Ihr lachendes Gesicht, auf dem die Tränenspuren noch zu sehen waren, war für mich das Gesicht des Austauschs zwischen unserer Schule und der Open Democratic School von Tel Aviv, der schon seit vielen Jahren besteht. Gemeinsam erinnern wir uns und trauern, doch genauso haben wir Spaß, lachen, zeigen uns gegenseitig unsere Länder und verbinden sie so auf dem Hintergrund der alten Verbindung neu.
Eine wundervolle Woche später am Flughafen gab es wieder viele Tränen. Obwohl die meisten aus unserer Gruppe sich erst seit zehn Tagen kannten, hatte zumindest ich das Gefühl, nicht irgendwelche Austauschschüler zu verabschieden, sondern 23 wirklich gute Freunde. Hatte ich auch vorher noch gar nicht darüber nachgedacht, nach Israel zu fahren, so kann ich mir jetzt nicht mehr vorstellen, diese Gruppe Jugendlicher nie wieder zu sehen. Sie sind für mich tatsächlich Freunde geworden, die ich hoffentlich schon bald besuchen werde!
(Mila Brill, 11)